Direkt zu:
Landschaft Welle
23.11.2020

Gemeinsame Fahnenaktion am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen

Landratsamt Calw und die großen Kreisstädte Calw und Nagold zeigen sich solidarisch / Bundesweit alarmierende Zahlen von Gewalt betroffenen Frauen und Kindern

Der „Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt an Frauen“ ist ein Aktionstag zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt jeder Form gegenüber Frauen und Mädchen. In Deutschland wird fast an jedem dritten Tag eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet und statistisch gesehen wird alle 45 Minuten eine Frau Opfer von vollendeter oder versuchter gefährlicher Körperverletzung durch Partnerschaftsgewalt.

„Das sind alarmierende Zahlen“, gibt Sarah Tonhauser, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Calw, zu bedenken. „Wenn die eigene Wohnung nicht mehr ein Ort der Sicherheit, sondern ein gefährlicher Ort ist, ist das mehr als beunruhigend.“

Da sich die Menschen derzeit aufgrund der Coronasituation noch mehr zu Hause aufhalten, ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer von Fällen häuslicher Gewalt deutlich höher liegt als die der Polizei bekannte Fallzahl. Häusliche Gewalt ist keine Privatsache, sondern es handelt sich um Straftaten.

Gewalt gegen Frauen und Kinder ist eine der am weitesten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen. Sie ist ein globales Problem und tritt überall auf.

Mit der Fahnenaktion setzen die großen Kreisstädte Calw und Nagold gemeinsam mit dem Landratsamt Calw ein Zeichen für betroffene Mädchen und Frauen. „Ihr seid nicht alleine, gemeinsam setzen wir uns für ein freies und selbstbestimmtes Leben ein!“ so die Aussage der drei Institutionen.

In den Tagen rund um den 25. November 2020 werden am Haus Schütz in Calw, zwischen Ordnungsamt und Rathaus in Nagold sowie am Landratsamt Calw die Fahnen von Terre des Femmes gehisst, die sich weltweit mit dieser Aktion für Frauenrechte einsetzen.

Hilfesuchende im Landkreis Calw erhalten unter www.frauenhaus-calw.de oder der Rufnummer 07051 78281 bei den Mitarbeiterinnen vom Frauenhaus Beratung und Unterstützung. Zudem steht das Erstberatungsangebot des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“ unter 0800 116 016 bundesweit Betroffenen rund um die Uhr kostenlos, anonym und in 18 Sprachen zur Verfügung.

Hintergrund:

Gewalt hat viele Gesichter und sie findet häufig in Beziehungen statt. Das Bundeskriminalamt (BKA) erstellt seit 2015 kriminalstatistische Auswertungen zur Partnerschaftsgewalt in Deutschland. Die entsprechenden Auswertungen können im Internet unter https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/Lagebilder/Partnerschaftsgewalt/partnerschaftsgewalt_node.html abgerufen werden.

Den dort veröffentlichten Berichten zur Partnerschaftsgewalt ist zu entnehmen, dass im Jahr 2019 die Zahl von Mord, Totschlag, Sexualdelikten, Körperverletzungen oder Stalking in (Ex-)Paarbeziehungen auf hohem Niveau geblieben ist. Von den 141.792 Opfern von Partnerschaftsgewalt im vergangenen Jahr sind zu 81 Prozent Frauen und zu 19 Prozent Männer betroffen. Die Hälfte der Opfer (50,5 Prozent) lebte zum Zeitpunkt mit dem Täter oder der Täterin in einem Haushalt.

In 2019 wurden in Deutschland Frauen und Männer Opfer von Partnerschaftsgewalt (jeweils vollendete und versuchte Delikte) in Form

-       von vorsätzlicher einfacher Körperverletzung: über 69.000 Frauen, 17.800 Männer;

-       von Bedrohung, Stalking, Nötigung: 28.906 Frauen, 3.571 Männer;

-       von Freiheitsberaubung: 1.514 Frauen, 183 Männer;

-       von gefährlicher Körperverletzung: knapp 12.000 Frauen, 5.169 Männer;

-       von Mord und Totschlag: 301 Frauen, 93 Männer.

Bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung in Partnerschaften sind die Opfer zu über 98 Prozent weiblich, bei Stalking und Bedrohung in der Partnerschaft sind es 89 Prozent.

Der Anteil männlicher Opfer ist bei vorsätzlicher, einfacher Körperverletzung mit 20,5 Prozent sowie bei Mord und Totschlag mit 23,6 Prozent vergleichsweise am Höchsten.

Die Zahlen entsprechen ungefähr denen aus dem Jahr 2018.